Indikation

Cyclophosphamid ist zur Behandlung bedrohlich verlaufender Autoimmunerkrankungen zugelassen. Beobachtungsstudien und Fallserien zeigen eine potenzielle Wirksamkeit bei der chronisch inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP). Aufgrund der potenziell schweren Nebenwirkungen sollte Cyclophosphamid ausschließlich als Reservetherapie eingesetzt werden. Die Indikation sollte streng gestellt und ausschließlich durch ein erfahrenes Zentrum erfolgen.

So kann der Einsatz bei schweren, progredienten Verläufen erwogen werden, wenn etablierte Immuntherapien (z. B. IVIg, Steroide, Plasmapherese) versagt haben. Außerdem bei atypischen Verläufen, wenn eine Vaskulitis nicht sicher ausgeschlossen werden kann.

Kontraindikation

Eine absolute Kontraindikation besteht bei

  • bekannter Überempfindlichkeit gegen Cyclophosphamid oder einen der sonstigen Bestandteile.
  • akuten systemischen Infektionen insb. Blasenentzündung (Zystitis).
  • schwerer Beeinträchtigung der Knochenmarksfunktion.
  • Schwangerschaft oder während der Stillzeit.
  • Harnabflussbehinderung.

Eine relative Kontraindikation besteht bei

  • Blutbildveränderungen (Lymphopenie <1000/µl, Leukopenie <4000/µl).
  • chronischen systemischen Infektionen.

Dosierung

Pulstherapie i.v., verschiedene Schemata möglich:

  • 600 mg/m² Körperoberfläche (KOF) initial alle 2 Wochen für einen Monat, dann alle 4 Wochen für insges. 6 Monate (CYCLOPS Schema).
  • 750 mg/m² alle 3-4 Wochen, insgesamt 6-mal.
  • Induktionsschema mit 350 mg/m² KOF an 3 aufeinanderfolgenden Tagen und dann 600 mg/m² KOF in Abständen von 4 Wochen über 6 Monate.

Pharmakokinetik

Cyclophosphamid wird als Prodrug in der Leber enzymatisch zur zytotoxisch wirksamen Form 4-Hydroxycyclophosphamid umgewandelt. Die mittlere Halbwertszeit von Cyclophosphamid im Serum beträgt ca. 7 Stunden. Patient:innen mit eingeschränkter Leberfunktion weisen eine verzögerte Biotransformation von Cyclophosphamid auf, die Serumhalbwertszeit kann daher in diesen Fällen verlängert sein. Cyclophosphamid selbst unterliegt keiner wesentlichen Proteinbindung, die Metabolite sind jedoch zu ca. 50% an Plasmaproteine gebunden. Cyclophosphamid und seine Metaboliten werden vorwiegend renal ausgeschieden.

Pharmakodynamik

Cyclophosphamid ist ein alkylierendes Zytostatikum und wirkt über DNA-Strangbrüche depletierend auf schnell replizierende Zellpopulationen (v.a. Leukozyten).

Diagnostik vor Therapiebeginn

Anamnese und klinische Untersuchung zu möglichen Kontraindikationen

Durch Anamnese und klinische Untersuchung sollten gezielt vor jeder Cyclophosphamid-Infusion mögliche Kontraindikationen (insbesondere Infektionen) ausgeschlossen werden. Anamnese und Untersuchung müssen detailliert dokumentiert werden (obligat). Bei Patient:innen mit aktiver systemischer Infektion sollte der Therapiebeginn verschoben werden, bis die Infektion vollständig kontrolliert ist (obligat).

Labor-Basisprogramm

  • Routinelaborparameter: Die Bestimmung von Blutbild plus Differenzialblutbild, Leberwerten (GOT, GPT, GGT, Bilirubin), Nierenwerten (Kreatinin) und Entzündungsparameter (CRP, Urinstatus) vor Therapiebeginn ist (obligat).
  • Entzündungs- und Infektionsparameter: Vor der Einstellung auf Cyclophosphamid sollte ein Screening auf chronische bakterielle und virale Infektionen (Lues, HBV, HCV, HIV) erfolgen (obligat). Bei V. a. Tbc in der Vorgeschichte oder Personen, die in Gebieten mit höherer Tbc-Prävalenz leben bzw. Kontakt zu Tbc-Erkrankten haben, sollte auf eine Tbc-spezifische Immunreaktion untersucht werden (mittels Tbc-spezifischem ELISPOT oder Interferon-Release-Test, z. B. Quantiferon®) (fakultativ) und bei positivem Testergebnis die Gefahr einer Tbc-Reaktivierung abgeklärt werden (Röntgen-Thorax und ggf. weitere Diagnostik) (fakultativ). Zudem sollte überprüft werden, ob Immunität gegen das Varizella-Zoster-Virus vorhanden ist (fakultativ).
  • Schwangerschaftstest: Bei Patientinnen im gebärfähigen Alter muss ein negativer Schwangerschaftstest vorliegen oder die Schwangerschaft anderweitig sicher ausgeschlossen sein (obligat).

Vortherapien - Abstand und Maßnahmen

Bei Wechsel einer immunsuppressiven Dauertherapie sollten – sofern klinisch vertretbar – eventuelle Laborveränderungen (z.B. Lympho-/Leukopenien, Leberwerterhöhungen) und Nebenwirkungen grundsätzlich abgeklungen sein (fakultativ).

Da Cyclophosphamid in Einzelfällen auch bei Erkrankungen mit lebensbedrohlichem Ausmaß eingesetzt wird, ist diesbezüglich eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung zu treffen, um einen zügigen Therapiebeginn zu ermöglichen.

Therapie - Monitoring

Dauer der Therapie

Die Therapie mit Cyclophosphamid sollte zeitlich begrenzt erfolgen. Nach Erreichen der Remission wird ein Wechsel auf eine Erhaltungstherapie empfohlen. Die kumulative Lebensdosis sollte 50g nicht überschreiten, um das Risiko für Spätfolgen, insbesondere urotheliale Malignome, zu minimieren.

Besondere Hinweise

Schwangerschaft und Stillzeit

Cyclophosphamid ist im 1. Trimenon der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Nach dem 1. Trimenon der Schwangerschaft sollte eine nicht aufschiebbare Therapie nur nach vorheriger Aufklärung über das geringe, aber nicht auszuschließende Risiko für das Kind durchgeführt werden.

Infektionen

Aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos ist eine erhöhte Vigilanz erforderlich. Bei akuten Infektionen unter Cyclophosphamid sind unverzüglich Maßnahmen zur Diagnostik und Therapie einzuleiten.

Auf eine Dokumentation der kumulativen Lebensdosis von Cyclophosphamid (empfohlen maximal 50g) ist zu achten.

Fertilität

Bei männlichen und weiblichen Patienten im geschlechtsreifen Alter sind während und bis mindestens 6 Monate nach Beendigung der Therapie empfängnisverhütende Maßnahmen vorzunehmen.

Patientenaufklärung

Eine standardisierte Aufklärung über Risiken und Nutzen der Cyclophosphamid-Therapie und eine schriftliche Einwilligungserklärung der Patient:innen sind vor Behandlungsbeginn obligat.

Auf folgende Risiken ist dabei insbesondere hinzuweisen:

  • Erhöhtes Infektionsrisiko durch Myelo- und Immunssuppression.
  • Hämorrhagische Cystitis, Mikro- und Makrohämaturie.
  • Erhöhtes Risiko für Tumorerkrankungen, insbesondere bei langfristiger Einnahme (v.a. Blasentumore, Leukämie).
  • Übelkeit, Erbrechen, Stomatitis, Diarrhoe, Anorexie (häufig).
  • Mögliche pulmonale und kardiale Toxizität.

Bei Frauen: Risiko einer vorübergehenden oder bleibenden Amenorrhoe, vorzeitige Menopause, Ovulationsstörung. Diesbezüglich ist über die Möglichkeit der Eizellkonservierung vor Beginn der Therapie aufzuklären bzw. die Patientin an eine geeignete Stelle zu verweisen.

Bei Männern: Risiko einer transienten oder bleibenden Infertilität (Störung der Spermatogenese). Diesbezüglich ist über die Möglichkeit einer Kryokonservierung von Spermien vor Beginn der Therapie aufzuklären bzw. den Patienten an eine geeignete Stelle zu verweisen.

Autoren und Quellen

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Aktueller Informationsstand: 18.04.2026, 15:08:43